Zum letzen Mal große Technik im Einsatz

Bundesforst beendet Holzeinschlag im Forstrevier Granzow im Süden des Müritz-Nationalpark

Der Forwarder ist im Revier Granzow zum letzen Mal im Einsatz. Foto: N. Künkler, Nationalparkamt Müritz Details anzeigen
Der Forwarder ist im Revier Granzow zum letzen Mal im Einsatz. Foto: N. Künkler, Nationalparkamt Müritz
Der Forwarder ist im Revier Granzow zum letzen Mal im Einsatz. Foto: N. Künkler, Nationalparkamt Müritz
Der Forwarder ist im Revier Granzow zum letzen Mal im Einsatz. Foto: N. Künkler, Nationalparkamt Müritz
Nr.06/17  | 15.02.2017  | MNP  | Müritz Nationalpark

Mit dem Jahr 2017 wird auch die forstliche Nutzung des Müritz-Nationalparks enden. Damit werden knapp über 80 % des 32.200 Hektar großen Nationalparks völlig der Natur überlassen. Bereits im Januar schloss Bundesforst im Revier Granzow den Holzeinschlag ab. Dort zog ein letztes Mal der sogenannte Forwarder die Kiefernstämme aus dem Wald. 

Jörn Meyer leitet das Bundesforstrevier Granzow. Dazu gehören auch Flächen im Müritz-Nationalpark, auf denen nun seit Januar die Motorsägen ruhen. „Um die Entwicklung des Kiefernwaldes positiv zu steuern, haben wir die Bestände ein letztes Mal aufgelockert. Den Kampf um das Licht müssen Buchen und Eichen nun selbst überstehen“, erklärt Jörn Meyer. Etwa 540 Festmeter Kiefernholz seien bei dem Eingriff angefallen. „Wir verkaufen das Holz weiter. Aus den Nationalpark-Kiefern werden Spanplatten, Paletten oder Kanthölzer gefertigt“, so Meyer weiter. 

Förster Meyer sieht seinen letzten Einsatz im Nationalpark mit einem weinenden und einem lachenden Auge. „Natürlich bin ich gespannt, wie sich die Natur ganz ohne Einfluss des Menschen entwickeln wird. Förster sein, ist aber eine Generationenaufgabe, und den Wald überlasse ich auch mit etwas Wehmut sich selbst“, sagt Jörn Meyer. Arbeitslos wird er nach der Aufgabe des Holzeinschlages im Müritz-Nationalpark nicht sein. Zu seinem Revier gehören auch Flächen außerhalb des Schutzgebietes südlich von Zietlitz bei Granzow. 

Auch im Rest des Müritz-Nationalparks werden die Arbeiten im Wald planmäßig eingestellt. „Wir sehen die noch anstehenden Eingriffe als letzte Starthilfe für die neue Waldgeneration. Danach folgt die Natur ihren eigenen Gesetzen“, erläutert der zuständige Dezernent Stefan Escher. 

Die Aussage, dass im Nationalpark keine Bäume mehr gefällt werden, relativiert Stefan Escher allerdings. „Überhängende Äste oder morsche Bäume können ein Risiko für Einwohner und Besucher, aber auch für Stromleitungen und Bahntrassen sein. Hier werden wir auch in Zukunft vorgreifend oder im akuten Fall die Gefahr beseitigen“, erklärt er weiter. Der Verkehrssicherung wird das Nationalparkamt weiterhin nachkommen.

 

Hintergründe:

Prozessschutz in Nationalparks

In Deutschlands Nationalparks gilt das Motto „Natur Natur sein lassen“. Mit dem Ende der Eingriffe im Wald des Müritz-Nationalparks wird der Natur großer Raum für Entwicklung gegeben. Der Mensch ist nur Gast und staunender Beobachter. Bisher ist wenig bekannt darüber, wie sich Wälder, die einst zu wirtschaftlichen Zwecken angepflanzt wurden, entwickeln werden. Klar ist, dass die zeitlichen Dimensionen in Menschenjahren nicht zu begreifen sind. Auch der Schutz der Wildnis ist eine Generationenaufgabe.

Flächeneigentum

Etwa 67% der Fläche des Müritz-Nationalparks (Gesamtgröße 32.200 ha) sind Eigentum des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Rund 13 % befinden sich im Besitz der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, werden also durch deren Sparte Bundesforst betreut. Der Rest gehört Stiftungen, der Kirche, der Stadt Waren oder Privateigentümern. Auf der gesamten Fläche setzt das Nationalparkamt Müritz hoheitlich das Schutzziel des Nationalparks durch. Für die praktische Umsetzung ist der Eigentümer verantwortlich. 

Nationales Naturerbe

Die Flächen im Eigentum der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben im Müritz-Nationalpark werden nach den Vorgaben des „Nationalen Naturerbes“ betreut. Zum „Nationalen Naturerbe“ zählen bundesweit Flächen, die dauerhaft für den Naturschutz gesichert werden sollen (Näheres unter www.bfn.de). Für die Bundesflächen im Nationalpark wurde ein eigener Naturerbe-Plan erarbeitet. In diesem Plan ist ebenfalls das Ende der forstlichen Nutzung der Wälder festgeschrieben. Er ergänzt den bestehenden Nationalpark-Plan.