UNESCO-Welterbe

Rund um den kleinen Ort Serrahn im Osten des Müritz-Nationalparks haben alte Buchenwälder wechselhafte Zeiten überdauert. Sie sind die Heimat für unzählige Tiere, Pflanzen und Pilze. Der alte Wald ist eine Kostbarkeit in unserer intensiv genutzten Landschaft und eine Schatztruhe der Biologischen Vielfalt. Die alten Buchenwälder wurden 2011 zum UNESCO-Weltnaturerbe ernannt. Gemeinsam mit über 60 weiteren Buchenwaldgebieten in ganz Europa und Urwäldern in der Ukraine und der Slowakei werden die letzten Reste der weltweit einzigartigen Wälder geschützt.

Eine echte Europäerin

Deutschland ist von Natur aus ein Buchenland. Die europäischen Buchenwälder sind erdgeschichtlich sehr jung und weltweit einzigartig. Während der letzten Eiszeit zog sich die Buche nach Süd- und Südosteuropa zurück. Erst innerhalb der letzten 4.000 Jahre hat sie sich zur dominierenden Baumart in Europa entwickelt. Dennoch hat sie vermutlich immer noch nicht ihre klimatische Verbreitungsgrenze erreicht. Daher befinden wir uns immer noch in der nacheiszeitlichen Wiederbewaldung des Kontinents. Dieser Prozess lässt sich an keiner anderen Stelle der Welt beobachten.

Die letzten Urwälder

In den Bergen der Karpaten wachsen die letzten Buchenurwälder Europas. Seit dem Ende der letzten Eiszeit verläuft die Waldentwicklung hier ungestört. Bis über 50 Meter hohe, mächtige Buchen bestimmen die Waldbilder. Die Dynamik der Buchenurwälder, das natürliche Werden und Vergehen, vollzieht sich hier vom Menschen gänzlich unbeeinflusst. Wisent, Wolf, Elch und Bär sind Teil dieser Wildnis.

In Mitteleuropa sind alte Buchenwälder selten. Die Buchenwälder, die es in Deutschland noch gibt, sind häufig forstlich genutzt, und die Bäume werden früh geerntet.

Ein Wald mit Geschichte

Im Gegensatz dazu sind sehr alte Buchen und Buchen-Totholz, aufgrund der Landnutzung durch den Menschen in Mitteleuropa heute kaum mehr zu finden. Genauso fehlen größere zusammenhängende Flächen. Die Buchenwälder, die es in Deutschland noch gibt, sind häufig forstlich genutzt, sodass die Buchen in jungem bis mittlerem Alter geerntet werden. Daher sind verbliebene alte Buchenwälder, wie die bei Serrahn, besonders schützenswert. Serrahns Wälder wurden in den letzten 150 Jahren zunächst vor allem durch die Jagdleidenschaft der Großherzöge vor intensiver forstlicher Nutzung bewahrt. Großherzog Georg von Mecklenburg-Strelitz ließ diese bereits Anfang des 19. Jahrhunderts zu seinem Jagdgebiet erklären. In diesem Zuge wurde das Gebiet sogar umzäunt, um es vor Jagd- und Holzfrevel zu schützen. Der Großherzog war auch dafür verantwortlich, dass der alte Buchenbestand „Heilige Hallen“ bei Lüttenhagen bereits 1850 unter Naturschutz gestellt wurde. Die „Heiligen Hallen“ sind das erste Buchenwaldschutzgebiet in Deutschland.

Das Erbe der Menschheit

Noch bis 1945 blieb das Gebiet um Serrahn der privilegierten Jagd vorbehalten und wurde kaum forstlich genutzt. Nur kurze Zeit später, im Jahr 1952, wurden die Wälder zunächst zum Naturschutzgebiet und 1957 auf Teilflächen zum Waldschutzgebiet mit Naturwaldzellen und 1990 schließlich zum Nationalpark erklärt. So wurde ein naturnaher Wald mit einem alten Baumbestand in turbulenten Zeiten vor der Säge bewahrt. 2011 erfolgte dann die Auszeichnung zum UNESCO-Weltnaturerbe.