Welterbe

Die letzte Eiszeit hat mit der Mecklenburgischen Seenplatte eine besonders reizvolle Landschaft mit hunderten Seen und Mooren geformt. Sie liegen eingebettet in einem hügeligen Waldland. In Serrahn, – benannt nach dem mitten im Wald liegenden, kleinen Ort „Serrahn“ – dem östlichen Teilgebiet des Nationalparks gibt es ein Waldgebiet, das bereits seit mehr als 150 Jahren vor der Holznutzung bewahrt wurde. Seine alten Buchen lassen uns erahnen, wie die einstigen Buchenurwälder in ganz Deutschland aussahen. Die alten Baumriesen und die abgestorbenen Buchen sind Wohnort für viele Fledermausarten wie die Mopsfledermaus, Insekten wie den Eremiten und Pilze wie den Buchen-Schleimrübling. An den vielen Gewässern leben See- und Fischadler, Kranich sowie Rohrdommel.
Die Einzigartigkeit dieser Wälder wurde im Juni 2011 als UNESCO Weltnaturerbe ausgezeichnet. Sie bekamen diese internationale Auszeichnung gemeinsam mit vier weiteren Wäldern in verschiedenen Teilen Deutschlands und ergänzen so zehn Buchenurwälder in den slowakischen und ukrainischen Karpaten. Am 7. Juli 2017 wurde das bestehende Welterbe "Buchenurwälder der Karpaten und Alte Buchenwälder Deutschlands" vom UNESCO-Komitee in Krakau
erweitert. Es wurden 63 Buchenwälder in 10 europäischen Ländern in die Welterbeliste aufgenommen. Die erweiterte Welterbestätte trägt nun den Namen "Alte Buchenwälder und Buchenurwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas".

Über Buchenwälder

Deutschland ist von Natur aus ein Buchenland. Die europäischen Buchenwälder sind erdgeschichtlich sehr jung und weltweit einzigartig. Während der letzten Eiszeit zog sich die Buche nach Süd- und Südosteuropa zurück. Erst innerhalb der letzten 4.000 Jahre hat sie sich zur dominierenden Baumart in Europa entwickelt. Dennoch hat sie vermutlich noch heute nicht ihre klimatische Verbreitungsgrenze erreicht. Daher befinden wir uns immer noch in der nacheiszeitlichen Wiederbewaldungsphase und damit einem Prozess, der sich an keiner anderen Stelle der Welt dokumentieren lässt.
Allerdings finden sich jetzt nur noch in den Karpaten großflächige Buchenurwälder. Sie sind seit ihrer Rückkehr nach der Eiszeit kaum vom Menschen beeinflusst worden. Dort bieten sich Einblicke in die natürliche Dynamik von Buchenurwäldern.
Im Gegensatz dazu sind sehr alte Buchen und Buchen-Totholz, aufgrund der Landnutzung durch den Menschen in Mitteleuropa heute kaum mehr zu finden. Genauso fehlen größere zusammenhängende Flächen. Die Buchenwälder, die es in Deutschland noch gibt, sind häufig forstlich genutzt, sodass die Buchen in jungem bis mittlerem Alter geerntet werden.
Daher sind verbliebene alte Buchenwälder, wie die bei Serrahn, besonders schützenswert. Serrahns Wälder wurden in den letzten 150 Jahren zunächst vor allem durch die Jagdleidenschaft der Großherzöge vor intensiver forstlicher Nutzung bewahrt. Großherzog Georg von Mecklenburg-Strelitz ließ diese bereits Anfang des 19. Jahrhunderts zu seinem Jagdgebiet erklären. In diesem Zuge wurde das Gebiet sogar umzäunt, um es vor Jagd- und Holzfrevel zu schützen.
Der Großherzog war auch dafür verantwortlich, dass der alte Buchenbestand „Heilige Hallen“ bei Lüttenhagen bereits 1850 unter Naturschutz gestellt wurde. Die „Heiligen Hallen“ sind das erste Buchenwaldschutzgebiet in Deutschland.
Noch bis 1945 blieb das Gebiet um Serrahn der privilegierten Jagd vorbehalten und wurde kaum forstlich genutzt. Nur kurze Zeit später wurden die Wälder zunächst zum Naturschutzgebiet (1952) und auf Teilflächen zum Waldschutzgebiet mit Naturwaldzellen (1957) und 1990 schließlich zum Nationalpark erklärt. So konnte sich ein naturnaher Wald mit einem alten Baumbestand entwickeln. 2011 erfolgte dann die UNESCO Weltnaturerbe-Auszeichnung.

Tourentipps ins Weltnaturerbe

Rundwanderung ("Grünes Buchenblatt", 11 km)
Variante: Streckenwanderung (6,5 km) mit Busfahrt

Von Zinow aus wandern Sie auf dem „Wald-Erlebnis-Pfad“ und dem Moorsteg zu den Ausstellungen („Im Reich der Buchen“ und Fotoausstellung zur Natur im Bereich Serrahn) im kleinen Ort Serrahn. Danach geht es weiter durch das Weltnaturerbe-Gebiet und am Schweingartensee vorbei Richtung Parkplatz Dianenhof bei Carpin. Zurück kommen Sie auf dem straßenbegleitenden Radweg oder mit dem Bus der Linie 619. Bitte nehmen Sie Verpflegung mit.

Familien-Rundwanderung ("Grünes Buchenblatt" und "Blauer M-Weg", 8 km)

Über den „Wald-Erlebnis-Pfad“ und den Moorsteg geht es nach Serrahn. Dort erwartet Sie eine interaktive Ausstellung für Groß und Klein zum Thema Buchenwald. Serrahn bietet sich für eine längere Pause an. Vielleicht hat das kleine Café geöffnet. Dort gibt es leckeren Kuchen, aber auch feine Suppen.

Barrierearme Tour ("Grünes Buchenblatt", 5 km)
Streckenwanderung (hin und zurück jeweils 2,5 km)

Von Dianenhof bei Carpin gelangen Sie, vorbei am Schweingartensee und durch das Weltnaturerbe, nach Serrahn und zurück. In Serrahn erwartet Sie die barrierearme Ausstellung „Im Reich der Buchen“. Die Strecke ist für Rollstuhlfahrer und Kinderwagen geeignet, einige Streckenabschnitte haben eine Steigung von mehr als sechs Prozent.

Radtour ("Grüner Radfahrer", Rundtour Zinow, Serrahn, Grünow, Carpin, Zinow, 24 km)
Variante: Abkürzung über Carpin möglich (circa 12 km)
Zufahrt von Neustrelitz nach Zinow ausgeschildert (10 km)

Eine Teilstrecke (8 km) des ausgeschilderten Radweges fahren Sie über den Fahrweg von Zinow nach Serrahn. Dort erwarten Sie zwei Ausstellungen. Weiter geht es durch das Weltnaturerbe, am Schweingartensee vorbei führt der Weg nach Steinmühle und von dort weiter nach Grünow.

Anreise

  • Die Buslinie 619 bringt Sie zu den Weltnaturerbe-Haltestellen Zinow, Dianenhof bei Carpin und Carpin (Fahrplan)
  • Mit dem Fahrrad folgen Sie von Neustrelitz aus den Hinweisschildern mit dem Symbol „Grüner Radfahrer“ und Sie erreichen nach circa 10 km die Ortschaft Zinow.
  • PKW-Stellplätze gibt es in 17237 Zinow, Dianenhof bei Carpin und Carpin