Naturschutz bei Eis und Schnee: Winteralltag der Nationalpark-Ranger
Gleich vorweg: Ja, unsere Rangerinnen und Ranger sind auch bei eisigem Winterwetter und klirrender Kälte draußen unterwegs. Zwar finden in den Wintermonaten keine regulären Führungen statt, doch die meisten Rangertätigkeiten lassen sich nicht in der warmen Stube oder im Homeoffice erledigen.
Verkehrssicherung hat Vorrang
Gerade auch bei Glätte und Schnee müssen Wege im Müritz-Nationalpark gefahrlos befahrbar sein. Die Verkehrssicherung umfasst die regelmäßige Kontrolle von Bäumen an Straßen und Wegen. „Abgestorbene Bäume, von Pilzen befallene oder nicht mehr standsichere Exemplare bringen wir mit der Motorsäge oder mit einem Traktor und Seilwinde sicher und kontrolliert zu Boden“, erklärt Ranger Micha.
Der Zeitraum ist bewusst gewählt: Denn schon im Februar beginnen einige Vogelarten wie Seeadler, Waldkauz oder Buntspecht mit der Balz. Und ab dem Beginn der Brut- und Nistzeit am 1. März gilt ein strenges Schutzregime: Baumfällungen sind dann nur noch in Ausnahmefällen („Gefahr im Verzug“) erlaubt. Deshalb liegt der Schwerpunkt der Verkehrssicherung im Herbst und Winter.
Ebenfalls keinen Aufschub duldet die Pegelmessung im „Land der 1000 Seen“. Im Nationalpark gibt es zahlreiche Messstellen für Grund- und Oberflächenwasser, die teils wöchentlich angefahren und kontrolliert werden müssen. „Die Wasserstände der Seen lesen wir an Pegellatten ab“, erläutert Ranger Micha. „Für die Grundwassermessung im Wald lassen wir eine kleine Pfeife an einem Maßband in ein Rohr hinab. Sobald sie die Wasseroberfläche berührt, ertönt ein Signal.“ Moderne Technik unterstützt dabei: Einige Pegel sind mit Wildkameras ausgestattet und können ausgelesen werden, ohne jedes Mal vor Ort zu sein.
Mit Tee und Lodenmantel gegen die Kälte
Doch wie hält man die Kälte bei langen Arbeitstagen im Freien eigentlich aus? Die Antwort ist simpel: mit guter Ausrüstung – und heißem Tee. Nach dem Motto „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung“ trotzen unsere Rangerinnen und Ranger, gut eingepackt in Lodenmantel, Mütze, selbstgestricktem Schal und langen Unterhosen, Wind und Kälte. „Im Winter trage ich die Schnittschutzhose eigentlich täglich. Sie ist dick genug, damit ich nicht friere“, verrät Ranger Micha. Ganz wichtig ist auch die Thermoskanne mit heißem Tee, die im Winter in keinem Ranger-Rucksack fehlen darf!
Forschen bei Frost
Monitoring und wissenschaftliche Beobachtungen müssen das ganze Jahr über durchgeführt werden. Von Februar bis April ist insbesondere das Monitoring der Wildkatze relevant. Ziel ist es, eine mögliche Wiedereinwanderung wissenschaftlich eindeutig nachzuweisen. „Dazu müssen draußen im Wald die Lockstöcke präpariert und kontrolliert werden und gegebenenfalls Haarproben für genetische Laboruntersuchungen eingesammelt werden“, sagt Rangerin Sarah.
Insektensuche im Winterboden
Nach den ersten starken Frösten beginnt zudem die sogenannte Winterbodensuche. Dabei werden überwinternde Insekten im Puppenstadium erfasst, etwa Kiefernspinner, Kiefernspanner oder Forleule. Auf 13 Probeflächen im Müritz-Nationalpark wird die Spreu der oberen Bodenschicht händisch und behutsam Schicht für Schicht bis zum Mineralboden durchsucht. Jede intakte Puppe wird dokumentiert und zur weiteren Analyse an die Landesforstanstalt in Eberswalde geschickt. So lassen sich Rückschlüsse auf Populationsdichten und Vitalität ziehen und mögliche Waldgefährdungen durch Insekten rechtzeitig erkennen.
Sich selbst bei Frost durch den Waldboden wühlen – geht das? „Ja, das geht auch im Winter, ich habe es bisher noch nicht erlebt, dass die oberste Schicht so hart gefroren war, dass es kein Durchkommen gab“, versichert Ranger Micha.
Spuren im Schnee
Und beim Wolfs- und Fischotter-Monitoring ist das Winterwetter sogar von Vorteil, denn im Schnee sind Pfotenabdrücke besonders gut zu erkennen. „Im Schnee entdeckt man deutlich mehr Spuren und Fährten als sonst“, sagt Ranger Thomas.
Gebietskontrolle im Winter
Zum Erhalt des Schutzzwecks ist es wichtig, dass die im Nationalpark geltenden Regeln eingehalten werden. Deshalb werden auch in der kalten Jahreszeit Gebiets- und Fischereikontrollen durchgeführt. Bei ihren Kontrollgängen prüfen die Rangerinnen und Ranger die Infrastruktur gleich mit: Sind alle Schilder intakt? Sind die Absperrungen noch erkennbar? Wenn nötig, werden Reparaturarbeiten vorgenommen.
Routinemäßig werden außerdem bekannte Horstbäume kontrolliert. „Wir prüfen, ob die Horste noch vorhanden sind und in welchem Zustand sie sind, ob sie gegebenenfalls schon besetzt sind. Immer wieder entdecken wir bei der Horstkontrolle neue Horste“, berichtet Rangerin Martina.
Winterführungen
Im Büro halten sich die Rangerinnen und Ranger auf, um Führungen für die kommenden Saison vorzubereiten oder das Juniorranger-Programm zu planen. Auf Nachfrage werden für Kindergruppen aber auch im Winter Führungen angeboten. „Ich war vor ein paar Tagen mit einer Hortgruppe draußen“, erzählt Rangerin Martina. „Der verharschte Schnee war für die Kinderfüße eine Herausforderung, aber sie waren eifrig mit dabei: Wir haben Tierspuren im Schnee gesucht und ich habe den Kinder erklärt, wie Tiere die kalte Jahreszeit überstehen.“
Singendes Eis
Trotz aller Herausforderungen: Die kalte Jahreszeit im Müritz-Nationalpark hat ihren ganz eigenen Zauber: Nur in dieser Zeit kann man Wintergäste wie die Singschwäne am Ostufer der Müritz beobachten oder dabei zusehen, wie ein Seeadler auf dem Eis einen Wasservogel erbeutet. Rangerin Sarah genießt die winterliche Ruhe im Müritz-Nationalpark und schwärmt: „Die schönsten Wintertouren kann man bei klarem, frostigen Wetter laufen. Wenn die Sonne das Eis leicht erwärmt, kann man hören, wie die Seen ‚singen‘.“
Großer Respekt also für die Kolleginnen und Kollegen, die selbst bei Eis und Schnee draußen für den Schutz des Nationalparks im Einsatz sind!