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Naturschutz bei Eis und Schnee: Winteralltag der Nationalpark-Ranger

Minus 10 Grad Kälte, hartgefrorener Boden unter einer dicken Eis- und Schneedecke – und nur wenige Gäste, die bei diesem Wetter im Nationalpark unterwegs sind. Für alle, die draußen arbeiten, bringt der harte Winter besondere Herausforderungen mit sich. Wir haben vier Rangerinnen und Ranger aus verschiedenen Distrikten des Müritz-Nationalparks gefragt, wie ihr Arbeitsalltag in der kalten Jahreszeit aussieht.

Monitoring im Winter
Ob Fischotter-, Wolf- oder Wildkatzenmonitoring: Es findet bei jedem Wetter statt. - Foto: Sarah Lemke.

Gleich vorweg: Ja, unsere Rangerinnen und Ranger sind auch bei eisigem Winterwetter und klirrender Kälte draußen unterwegs. Zwar finden in den Wintermonaten keine regulären Führungen statt, doch die meisten Rangertätigkeiten lassen sich nicht in der warmen Stube oder im Homeoffice erledigen.

Ranger Thomas kontrolliert die Verkehrswege. - Foto: Müritz-Nationalpark
Nationalpark-Ranger Thomas ist auch im Winter viel draußen unterwegs. - Foto: Müritz-Nationalpark

Verkehrssicherung hat Vorrang


Gerade auch bei Glätte und Schnee müssen Wege im Müritz-Nationalpark gefahrlos befahrbar sein. Die Verkehrssicherung umfasst die regelmäßige Kontrolle von Bäumen an Straßen und Wegen. „Abgestorbene Bäume, von Pilzen befallene oder nicht mehr standsichere Exemplare bringen wir mit der Motorsäge oder mit einem Traktor und Seilwinde sicher und kontrolliert zu Boden“, erklärt Ranger Micha. 
Der Zeitraum ist bewusst gewählt: Denn schon im Februar beginnen einige Vogelarten wie Seeadler, Waldkauz oder Buntspecht mit der Balz. Und ab dem Beginn der Brut- und Nistzeit am 1. März gilt ein strenges Schutzregime: Baumfällungen sind dann nur noch in Ausnahmefällen („Gefahr im Verzug“) erlaubt. Deshalb liegt der Schwerpunkt der Verkehrssicherung im Herbst und Winter. 

Ebenfalls keinen Aufschub duldet die Pegelmessung im „Land der 1000 Seen“. Im Nationalpark gibt es zahlreiche Messstellen für Grund- und Oberflächenwasser, die teils wöchentlich angefahren und kontrolliert werden müssen. „Die Wasserstände der Seen lesen wir an Pegellatten ab“, erläutert Ranger Micha. „Für die Grundwassermessung im Wald lassen wir eine kleine Pfeife an einem Maßband in ein Rohr hinab. Sobald sie die Wasseroberfläche berührt, ertönt ein Signal.“ Moderne Technik unterstützt dabei: Einige Pegel sind mit Wildkameras ausgestattet und können ausgelesen werden, ohne jedes Mal vor Ort zu sein.

Rangerin Sarah präpariert einen Lockstock. - Foto: Sarah Lemke
Rangerin Sarah präpariert einen Lockstock. - Foto: Sarah Lemke

Mit Tee und Lodenmantel gegen die Kälte



Doch wie hält man die Kälte bei langen Arbeitstagen im Freien eigentlich aus? Die Antwort ist simpel: mit guter Ausrüstung – und heißem Tee. Nach dem Motto „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung“ trotzen unsere Rangerinnen und Ranger, gut eingepackt in Lodenmantel, Mütze, selbstgestricktem Schal und langen Unterhosen, Wind und Kälte. „Im Winter trage ich die Schnittschutzhose eigentlich täglich. Sie ist dick genug, damit ich nicht friere“, verrät Ranger Micha. Ganz wichtig ist auch die Thermoskanne mit heißem Tee, die im Winter in keinem Ranger-Rucksack fehlen darf! 

Forschen bei Frost


Monitoring und wissenschaftliche Beobachtungen müssen das ganze Jahr über durchgeführt werden. Von Februar bis April ist insbesondere das Monitoring der Wildkatze relevant. Ziel ist es, eine mögliche Wiedereinwanderung wissenschaftlich eindeutig nachzuweisen. „Dazu müssen draußen im Wald die Lockstöcke präpariert und kontrolliert werden und gegebenenfalls Haarproben für genetische Laboruntersuchungen eingesammelt werden“, sagt Rangerin Sarah.

Der Schnee macht es sichtbar: Hier war ein Wolf unterwegs. Foto: Michael Pokwa
Der Schnee macht es sichtbar: Hier war ein Wolf unterwegs. Foto: Michael Pokwa

Insektensuche im Winterboden



Nach den ersten starken Frösten beginnt zudem die sogenannte Winterbodensuche. Dabei werden überwinternde Insekten im Puppenstadium erfasst, etwa Kiefernspinner, Kiefernspanner oder Forleule. Auf 13 Probeflächen im Müritz-Nationalpark wird die Spreu der oberen Bodenschicht händisch und behutsam Schicht für Schicht bis zum Mineralboden durchsucht. Jede intakte Puppe wird dokumentiert und zur weiteren Analyse an die Landesforstanstalt in Eberswalde geschickt. So lassen sich Rückschlüsse auf Populationsdichten und Vitalität ziehen und mögliche Waldgefährdungen durch Insekten rechtzeitig erkennen.

Sich selbst bei Frost durch den Waldboden wühlen – geht das? „Ja, das geht auch im Winter, ich habe es bisher noch nicht erlebt, dass die oberste Schicht so hart gefroren war, dass es kein Durchkommen gab“, versichert Ranger Micha. 
 

Spuren im Schnee


Und beim Wolfs- und Fischotter-Monitoring ist das Winterwetter sogar von Vorteil, denn im Schnee sind Pfotenabdrücke besonders gut zu erkennen. „Im Schnee entdeckt man deutlich mehr Spuren und Fährten als sonst“, sagt Ranger Thomas.

Rangerin Martina bei der Gebietskontrolle - Foto: Martina Fuhrmann
Rangerin Martina bei der Gebietskontrolle - Foto: Martina Fuhrmann

Gebietskontrolle im Winter



Zum Erhalt des Schutzzwecks ist es wichtig, dass die im Nationalpark geltenden Regeln eingehalten werden. Deshalb werden auch in der kalten Jahreszeit Gebiets- und Fischereikontrollen durchgeführt. Bei ihren Kontrollgängen prüfen die Rangerinnen und Ranger die Infrastruktur gleich mit: Sind alle Schilder intakt? Sind die Absperrungen noch erkennbar? Wenn nötig, werden Reparaturarbeiten vorgenommen. 

Routinemäßig werden außerdem bekannte Horstbäume kontrolliert. „Wir prüfen, ob die Horste noch vorhanden sind und in welchem Zustand sie sind, ob sie gegebenenfalls schon besetzt sind. Immer wieder entdecken wir bei der Horstkontrolle neue Horste“, berichtet Rangerin Martina. 
 

Winterführungen 


Im Büro halten sich die Rangerinnen und Ranger auf, um Führungen für die kommenden Saison vorzubereiten oder das Juniorranger-Programm zu planen. Auf Nachfrage werden für Kindergruppen aber auch im Winter Führungen angeboten. „Ich war vor ein paar Tagen mit einer Hortgruppe draußen“, erzählt Rangerin Martina. „Der verharschte Schnee war für die Kinderfüße eine Herausforderung, aber sie waren eifrig mit dabei: Wir haben Tierspuren im Schnee gesucht und ich habe den Kinder erklärt, wie Tiere die kalte Jahreszeit überstehen.“

Zauberhafter Müritz-Nationalpark - Foto: Michael Pokwa
Der Winter verwandelt den Müritz-Nationalpark in eine Märchenlandschaft. - Foto: Michael Pokwa

Singendes Eis



Trotz aller Herausforderungen: Die kalte Jahreszeit im Müritz-Nationalpark hat ihren ganz eigenen Zauber: Nur in dieser Zeit kann man Wintergäste wie die Singschwäne am Ostufer der Müritz beobachten oder dabei zusehen, wie ein Seeadler auf dem Eis einen Wasservogel erbeutet. Rangerin Sarah genießt die winterliche Ruhe im Müritz-Nationalpark und schwärmt: „Die schönsten Wintertouren kann man bei klarem, frostigen Wetter laufen. Wenn die Sonne das Eis leicht erwärmt, kann man hören, wie die Seen ‚singen‘.“ 

Großer Respekt also für die Kolleginnen und Kollegen, die selbst bei Eis und Schnee draußen für den Schutz des Nationalparks im Einsatz sind!

So klingt das “singende Eis” im Müritz-Nationalpark:
(Video: Sarah Lemke)