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Wald im Wandel: Zwanzig Jahre Foto-Monitoring im Müritz-Nationalpark

Seit mehr als zwanzig Jahren dokumentiert ein monatliches Foto-Monitoring die Entwicklung des Buchenwaldes im Serrahner Teil des Müritz-Nationalparks.

An fünf festgelegten Standorten halten die Aufnahmen eindrucksvoll fest, wie sich der Wald über die Zeit verändert – wie Bäume wachsen und verfallen, wie Wasserstände schwanken und wie Licht und Schatten das Erscheinungsbild der Vegetation prägen.

Im Müritzeum lässt sich anhand der Fotowand der Wandel des Waldes sehr gut nachvollziehen. - Foto: Karin Franz

Angeregt durch ein ähnliches Projekt im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft, bei dem ein Jahr lang täglich ein Bild aufgenommen wurde, um den jahreszeitlichen Wandel der Natur zu zeigen, entschied man sich im Müritz-Nationalpark für eine langfristigere Perspektive. Die monatlichen Aufnahmen sollen über Jahrzehnte hinweg dokumentieren, wie sich Landschaft und Waldstruktur entwickeln. So erzählt jeder Monat Geschichte von Wachstum, Verfall und Neubeginn. 

Die Auswahl der fünf Fotopunkte erfolgte anhand von markanten Motiven, etwa eines stehendes Totholzstamms oder dem Moorsteg in Serrahn, wodurch sich Veränderung im Landschaftsbild besonders gut nachvollziehen lassen. 

Seit dem 4. November 2005 wird am vierten Tag eines jeden Monats pünktlich fotografiert, im Winter um halb zehn Uhr morgens, im Sommer eine Stunde später. Egal ob Wochenende, Feiertag, Regen, Schnee oder Sonnenschein – der Termin ist fester Bestandteil der Gebietsbegehung der Rangerinnen und Ranger des Distrikts. Fotografiert wird manuell mit einer Digitalkamera. Diese Entscheidung hatte ursprünglich technische Gründe, denn 2005 lieferten automatische Kameras noch keine ausreichend druckfähige Fotoqualität, und wurde dann aus Gründen der Vergleichbarkeit beibehalten.

Einer der fünf Fotostandpunkte des Foto-Monitorings. - Foto: Nationalparkamt

Vom Ausstellungsexponat zum Langzeitarchiv 

Was heute ein wertvolles Langzeitprojekt zur Dokumentation der natürlichen Walddynamik im Müritz-Nationalpark ist, begann 2005 als Teil einer Ausstellung für das damals noch im Bau befindliche Natur-Erlebniszentrum Müritzeum. Initiiert von Ulrich Meßner, dem damaligen Leiter des Müritz-Nationalparks, sollte das Foto-Monitoring die Dauerausstellung bereichern. Auf einer großen Fotowand können Besucherinnen und Besucher im Müritzeum seither den Wandel des Waldes über Jahre hinweg nachvollziehen. 

„Unsere Gäste nehmen das Angebot sehr gut an, da es anschaulich und verständlich das Werden und Vergehen des Waldes an einem realen Standort in der Natur zeigt. Das bleibt nachhaltig im Bewusstsein unserer Besucherinnen und Besucher“, sagt Dr. Mathias Küster, Geschäftsführer des Müritzeums und Planer der Ausstellung zu den UNESCO-Buchenwälder. 

Die Fotowand befindet sich im Übergang der Themenbereiche „Zeitreise. Von der Eiszeit bis zur Gegenwart“ und „Waldraum“ und wird jedes Jahr durch neue Aufnahmen ergänzt. 

Der Standort wurde bewusst gewählt, betont Küster. „In der Zeitreise durchstreifen unsere Besucherinnen und Besucher die Landschaftsentwicklung der Mecklenburgischen Seenplatte innerhalb der letzten 20.000 Jahre. Wir wollen darüber aufklären, warum unsere Landschaft heute so aussieht. Totalreservate mit nur geringem menschlichen Einfluss, wie der Müritz-Nationalpark mit dem Welterbegebiet in Serrahn, in denen die Natur sich selbst überlassen wird, nehmen inmitten unserer Kulturlandschaft nur einen kleinen Bruchteil der Fläche ein. Und genau deshalb sind sie besonders schützenswert!“ 

Blick in die Zukunft 

Auch wenn das Foto-Monitoring bislang keine überraschenden naturschutzfachlichen Erkenntnisse geliefert hat, möchte Helena Römer, Distriktleiterin des Serrahner Teils im Müritz-Nationalpark, das Projekt nicht missen: „Das Foto-Monitoring ist eine wichtige Ergänzung zum wissenschaftlichen Waldmonitoring. Denn hier wird die natürliche Walddynamik in einem Nationalpark auf eine Weise sichtbar, die Menschen unmittelbar erreicht. Viele Kollegen aus anderen Schutzgebieten sprechen mich mittlerweile darauf an und fragen nach unseren Erfahrungen.“ Das Foto-Monitoring soll deshalb auch in Zukunft fortgeführt werden.

Zeitraffer-Aufnahme an einem Standort des Foto-Monitorings:

Anhand der Zeitraffer-Aufnahme lässt sich Wachstum, Verfall und Neubeginn im Serrahner Buchenwald eindrücklich darstellen.