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Geschichte

Die mecklenburgische Landschaft, in die der Müritz-Nationalpark eingebettet ist, hat eine wechselvolle Geschichte. Gesellschaft und Natur wandeln sich ständig.

Tundra, Diorama © B. Lüthi Herrmann
Tundra, Diorama

Ende der Eiszeit

Alles, was hier vor der Eiszeit gelebt hatte, war nach Süden abgewandert oder gar ausgestorben. Das Klima wurde vor etwa 12.000 Jahren wieder wärmer, und die Gletscher zogen sich allmählich nach Norden zurück. Der Eiswüste folgte eine magere Tundra mit Moosen, Flechten und ersten Birken und Kiefern. Mammut, Riesenhirsch, Rentier und Auerochse ernährten sich von dieser kargen Vegetation und ihnen folgten gelegentlich nomadisierende Stämme steinzeitlicher Jäger.

Bronzezeit, Diorama © B. Lüthi Herrmann
Bronzezeit, Diorama

Zum Waldland

Je freundlicher über Jahrtausende das Klima wurde, desto mehr wandelte sich die Landschaft in ein Waldland um, in das zunehmend sesshaft werdende Menschen zogen. Wald musste gerodet werden, um Siedlungen, Äckern und Weiden Platz zu geben. Die Menschen brachten neue Pflanzen und Tiere mit, bewusst und unfreiwillig zugleich.

Slawischer Burgwall Groß Raden © R. Krüger, Wikipedia
Slawischer Burgwall Groß Raden

Völkerwanderung

Im 6. und 7. Jahrhundert passierte etwas, das man sich bis heute noch nicht erklären kann: Eine Völkerwanderung setzte ein, bei der germanische Siedler auswanderten und ihnen in das menschenleere Land slawische Stämme nachfolgten. Von der slawischen Besiedlung gibt es viele Zeugnisse in der Müritz-Region, z.B. Wallanlagen einstiger Fluchtburgen.

Kirche in Ludorf © U. Meßner
Kirche in Ludorf

Städte entstehen

Im 12. Jahrhundert begann wiederum eine deutsche Besiedlung des heutigen Mecklenburgs, die in der Landnutzung deutlich wurde: Während die slawischen Bewohner eher von Jagd, Fischfang und gelegentlichem Ackerbau lebten, betrieben die deutschen Siedler intensiven Landausbau. Das Land wurde in Besitztümer aufgeteilt, es entstanden neue Dörfer und erste Städte. Christliche Orden gründeten Klöster und bauten Kirchen. Neue Technologien, wie z.B. der Mühlenbau an Gewässern, zogen in das Land.

Holz wird knapp, Diorama © B. Lüthi Herrmann
Holz wird knapp, Diorama

Holz wird knapp

All dies brauchte Flächen und viel Holz zum Bauen und Heizen. Die Wälder wurden immer weiter zerstört, bis es zwangsläufig zu ersten Baustoff- und Energiekrisen kam. Besonders schnell ging dies auf den Sanderflächen. Die feinkörnigen Sande sind sehr arm an Nährstoffen und der Humus war schnell verbraucht. Die Siedler zogen bald weiter und überließen das Land dem wiederkehrenden Wald. Bis ihn wieder jemand rodete.

Gutshaus Federow um 1940 © Archiv Meßner
Gutshaus Federow um 1940

Gutsdörfer

Im 18. Jahrhundert entstanden Rittergüter, die die Landwirtschaft intensivierten. Die Dörfer der Region haben deshalb oft schöne Gutshäuser, begleitet von den Häusern der Landarbeiter. Aber armer Boden bleibt armer Boden, so dass im heutigen Nationalparkgebiet die Landwirtschaft nie zu Reichtum führen konnte.

Heidelandschaft, koloriertes Foto © Archiv Meßner
Heidelandschaft, koloriertes Foto

Heiden

Zur dramatischen Waldzerstörung kam es dann im 19. Jahrhundert, als Glashütten und Köhlereien mit extrem hohem Holzbedarf entstanden. Zurück blieben Heiden, die heute als Idylle alte Geschichten und Bilder begleiten. Dies ist trügerisch, denn die Wahrheit ist eine Übernutzung der Landschaft und bittere Armut der Menschen.

Junger Kiefernwald © U. Meßner
Junger Kiefernwald

Industrielle Revolution

Zum großen Wandel führte die Industrielle Revolution, als die Kohle das Holz als Energieträger ablöste und die Produktivität von Landwirtschaft und Gewerbe stark stieg. Aus der Waldvernichtung wurde eine auf Nachhaltigkeit bedachte Forstwirtschaft. Dabei wurden die Sanderlandschaften als ansonsten unnütz systematisch aufgeforstet – aus dem ehemaligen Waldland wurde nach Jahrhunderten wieder Waldland, wenn auch in Reih und Glied.

Erlegter Elch © Archiv Meßner
Erlegter Elch

Jagd

Bevor man sich Haustiere hielt, war das Jagen wilder Tiere der entscheidende Nahrungserwerb. Mit aufkommendem Ackerbau musste man sich vor den hungrigen Mäulern der Wildtiere schützen – wenig Wild war dem Bauern am liebsten. Jagd wurde zunehmend zum Luxus der Herrschaften. Das Gebiet um Serrahn war von 1833 bis 1918 Hofjagdgebiet des Großherzogs von Mecklenburg-Strelitz, das er 1848 einzäunte, um nicht in Konflikt mit den umliegenden Bauern zu kommen. Weite Gebiete am Ostufer der Müritz kaufte in den 1920er Jahren der Leipziger Geschäftsmann Kurt Herrmann zum Zwecke der Jagd. Er baute sich einen noblen Jagdsitz in Speck, zäunte ca. 7.000 ha ein und setzte exotische Wildarten in diesem »Jagdpark« aus. Mit seinen ausgezeichneten Beziehungen zur Hitler-Regierung verschaffte er sich sogar Jagdrechte im damaligen Naturschutzgebiet Müritzhof.

Reichsarbeitsdienst nach dem Waldbrand 1934 © Archiv Meßner
Reichsarbeitsdienst nach dem Waldbrand 1934

Waldbrand und Schießplatz

Im Sommer 1934 klopfte ein Schäfer bei Klockow seine Pfeife aus und es tobte ein riesiger Waldbrand. Die trockenen Kiefernwälder gingen in Flammen auf und eine Feuerwalze bedrohte Dörfer und Menschen. Schließlich kam sie vor der moorigen Havelniederung zum Stehen. Der Reichsarbeitsdienst beräumte die Flächen und begann mit neuen Aufforstungen. Der 2. Weltkrieg stoppte diese Arbeit und nach dem Krieg übernahm die Sowjetische Armee die waldfreien Flächen als Schießplatz.

Zentrale Lehrstätte für Naturschutz Müritzhof 1955 © Archiv Meßner
Zentrale Lehrstätte für Naturschutz Müritzhof 1955

Naturschutzgebiete

1931 wurde auf 300 ha das Naturschutzgebiet „Müritzhof“ eingerichtet. 1949 wurde es zum 5.000 ha großen Naturschutzgebiet „Ostufer der Müritz“ erweitert. 1954 gründeten Karl Bartels und Kurt Kretschmann im Müritzhof die Zentrale Lehrstätte für Naturschutz. 1971 entstand das Naturschutzgebiet „Serrahn“.

Absperrschild Staatsjagd, Specker Horst © U. Meßner
Absperrschild Staatsjagd, Specker Horst

Staatsjagd

Die DDR-Regierung richtete ab 1969 sogenannte »Staatsjagdgebiete« ein. Das erste war das am Ostufer der Müritz und schloß das größte Naturschutzgebiet der DDR ein. Es wurde persönliches Jagdgebiet des Ministerpräsidenten der DDR, Willi Stoph. 1986 wurde noch ein Staatsjagdgebiet um Serrahn eingerichtet.

Demonstration des Neuen Forums zum Specker Horst, November 1989 © U. Meßner
Demonstration des Neuen Forums zum Specker Horst, November 1989

Politische Wende

1989 demonstrierten Warener Bürger für die Abschaffung der Staatsjagd und die Einrichtung eines Nationalparks. Die Idee zu einem Nationalpark an der Müritz stammte schon aus den 1950er Jahren. Sie wurde nach kurzer Vorbereitungszeit während der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten im Oktober 1990 Wirklichkeit.